#112: Platzendes Glas

Behauptung: Verglaste Atomsuppe kann bersten.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Hochradioaktiv, flüssig, stark selbsterhitzend und explosionsgefährdet sind die Abfälle, die bei der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente entstehen. Um diese „Atomsuppe“ zumindest etwas handhabbarer zu machen, wird sie in Glas eingeschmolzen – eine chemisch angeblich sehr stabile Verbindung.

Chemiker wiesen allerdings nach, dass auch diese Glaskokillen bei Kontakt mit Wasser unter Umständen bersten, die hochgefährlichen Stoffe ausgewaschen werden können. Wehe, das Endlager bleibt nicht allezeit trocken!

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Die Chemiker, die laut „Der Spiegel” angeblich das „Bersten der Glaskokillen bei Kontakt mit Wasser” herausgefunden haben sollen, weisen diese Schlussfolgerung jedoch weit von sich. Wer weiss nun besser über die Forschungsergebnisse Bescheid, die Forscher selbst oder die darüber berichtenden Journalisten?

Das Bild einer „Atomsuppe in Glas” soll wohl suggerieren, es handele sich um in Glas versiegelte, hochradioaktive Flüssigkeiten, etwa wie Wasser in einer Flasche. Tatsächlich ist eine Kokille eine homogene Mischung aus Borglas und dem radioaktiven Abfall, letzterer wird also nur verdünnt und inertisiert. Man stelle sich dazu in Eis gelösten Zucker vor, wobei hier das Eis für das Glas und der Zucker für den radioaktiven Abfall steht.

Die Selbsterhitzung ist eine natürliche Folge der Radioaktivität, kann aber nicht zu „Explosionen” führen. Es handelt sich um eine leichte Wärmeentwicklung die konvektiv abgeführt werden kann. Nach wenigen Jahrzehnten sind die Glaskokillen nur noch warm, nicht mehr „heiß”. Früher werden sie ohnehin nicht endgelagert.

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