#78: Nicht marktfähig

Behauptung: Neue Atomkraftwerke rechnen sich nicht.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

In den vergangenen 20 Jahren ging, wo Marktwirtschaft herrschte, so gut wie kein Atomkraftwerk mehr in Bau – obwohl die installierte Kraftwerksleistung in der gleichen Zeit um viele Hunderttausend Megawatt zunahm. Das zeigt: Neue Atomkraftwerke rechnen sich nicht.

Daran ändern auch die beiden jüngsten Reaktorbaustellen in Finnland und Frankreich nichts. Der Reaktor in Finnland war ein Dumpingangebot zum subventionierten Festpreis (bezuschusst unter anderem vom Land Bayern durch günstige Kredite der Bayerischen Landesbank). Die Kosten sind längst explodiert. Und in Frankreich sind Atomindustrie (AREVA) und Strommonopolist (EdF) fest in Staatshand – da spielen marktwirtschaftliche Überlegungen nur eine kleine Rolle.

Ein E.ON-Manager räumt freimütig ein: „Ohne Staatskohle keine Atomkraft“.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Vor 20 Jahren waren, wo Marktwirtschaft herrschte, in Deutschland die meisten Kernkraftwerke am Netz. Dann wurde das „Erneuerbare-Energien-Gesetz” EEG geschaffen, der Markt ideologisch verzerrt, Betreiber ineffizienter Energieerzeugungstechniken zunehmend stark bevorteilt, je ineffizienter, desto mehr, Kernkraftwerksbetreiber mit dem Scheinargument der Unsicherheit und mit endlosen Genehmigungsverfahren drangsaliert, die Laufzeiten künstlich verkürzt, Ingenieure, Kerntechniker und Kernphysiker durch willkürliche Stillegung fertiggestellter Zukunftsprojekte (Hochtemperaturreaktor, Schneller Brüter, WAA, Asse) demotiviert und aus dem Land geekelt, und schließlich der Bau weiterer Kernkraftwerke einfach gesetzlich verboten. Trotzdem rechnet sich der Weiterbetrieb bestehender Reaktoren in Deutschland immer noch.

In Frankreich, das eine stark zentralistische Prägung hat, sind viele Betriebe in Staatshand (SNCF, Air-France bis 1998), nicht nur AREVA und EdF. In Schweden sieht es ähnlich aus. Ansonsten ist dies in marktwirtschaftlichen Ländern eher die Ausnahme. Der deutsche Reaktorbauer Siemens/KWU war immer in privater Hand, ebenso Hitachi in Japan und GE in den USA, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Dass Betriebe in Staatshand sich trotzdem rechnen können, zeigt gerade der Reaktorbau in Finnland und Frankreich. Trotz enormer Verluste beim Bau des EPR in Finnland, die wohl AREVA tragen muss, wird ein zweiter in Frankreich gebaut, ein dritter steht kurz vor Baubeginn, zwei weitere werden gerade in China gebaut, und Großbritannien, das seinen Nuklearstrom verdoppeln will, werden 4 Stück von EdF gebaut.

Kernkraftwerkebetreiber sind auf „Staatskohle” nicht angewiesen. Was der E.ON-Manager vermutlich bemängelt, ist eine willkürliche vorzeitige Stillegung, wie man es in Deutschland gerne mal tut. Hier staatliche Bürgschaften zu verlangen, ist mehr als berechtigt.

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