#105: Pfusch am Bau

Behauptung: Auf der Reaktorbaustelle in Finnland herrschen schlimmere Zustände als beim Bau der Kölner U-Bahn.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

4.300 Arbeiter aus 60 Ländern werkeln am Prototyp des „Europäischen Druckwasserreaktors“ (EPR) im finnischen Olkiluoto. Die Zustände auf der Baustelle sind haarsträubend: Im Stahlbeton fehlen Teile der Armierung, Vorarbeiter sprechen die Sprache ihrer Mitarbeiter nicht, Schweißnähte reißen auf, Inspektoren ordnen an, fehlerhafte Stellen mit Beton zuzuschütten. Dazu 16-Stunden-Schichten, Dumpinglöhne, Hire-and-Fire – ein „Sklavenreaktor“.

Die finnische Atomaufsichtsbehörde hat bereits über 3.000 Baumängel registriert, vom falschen Beton im Fundament bis zu vorschriftswidrig verschweißten Rohren des Kühlsystems.

Richtig ist …

Auch in Finnland gibt es Arbeitsrecht. Vorwürfe der Sklavenarbeit und haarsträubender Zustände, wie sie von Greenpeace verbreitet wurden, gehören vor entsprechende Arbeitsgerichte und Aufsichtsbehörden. In China, wo praktisch alle Solarzellen für deutsche EEG-Gewinnler hergestellt werden, sieht es da nicht so gut aus.

Seit den 70er Jahren nahm die Zahl an Reaktorneubauten stetig ab, Mitarbeiter gingen in Rente, Erfahrung ging verloren, während, vor allem politisch motiviert, die Sicherheitsanforderungen unverhältnismäßig erhöht wurden. Die von der für die Konstruktion hauptverantwortlichen AREVA beauftragten Subunternehmen versuchten beim EPR mit den sonst beim Bau üblichen Schlampereien durchzukommen, scheiterten jedoch an den in der Nukleartechnik äußerst strengen Kontrollen der finnischen Strahlenschutzbehörden.

Die lange Liste der Baumängel belegt nicht, wie „schlampig” der EPR gebaut wurde, sondern dass die Sicherheit an erster Stelle steht. IAEA, NEA und die finnische Atomaufsicht STUK kontrollieren diese ständig. Die damit verbundenen Mehrkosten muss der Hersteller tragen – das ist der Preis für verlorene gegangene Erfahrung.

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