#77: Strompreise

Behauptung: Atomstrom treibt die Preise hoch.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Die Strompreise steigen seit Jahren – trotz Atomstrom. Ein entscheidender Grund dafür ist die Marktmacht der vier großen Energiekonzerne, die das Stromangebot an der Leipziger Strombörse dominieren. Von 2002 bis 2008 erwirtschafteten EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall fast 100 Milliarden Euro Gewinn. Im gleichen Zeitraum erhöhten sie die Strompreise um weit über 50 Prozent.

Atomkraftwerke zementieren die Marktmacht der Konzerne und sichern ihnen Milliardengewinne. Dagegen wirken die Erneuerbaren Energien schon heute preisdämpfend. Dank Windkraft sparen die Verbraucher jedes Jahr mehrere Milliarden Euro (Merit-Order-Effekt).

Fielen die derzeitigen enormen Vergünstigungen für Atomkraft weg – etwa durch eine realistische Deckungssumme bei der Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke, eine Besteuerung der Rücklagen, eine Brennstoffsteuer –, wäre Atomstrom unbezahlbar: Die Basler Prognos AG errechnete schon 1992 einen realistischen Preis von rund 2 Euro pro Kilowattstunde.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Die Stromerzeugungskosten aus Kernenergie sind bis zu einen Faktor 10 niedriger als die aus Wind und Sonne und zählen zu den niedrigsten überhaupt, die Pufferung der beiden letzten noch nicht mal mitgerechnet. Wind- und Sonnenenergie hätten am Strommarkt überhaupt keine Chance, würden sie nicht durch gesetzliche Regelungen (EEG) massiv subventioniert werden und zusätzlich die technisch zwingend notwendigen Speicher konzeptionell mit einbeziehen müssten. Zwischen 1998 und 2008 hat sich der Beschaffungspreis für Strom praktisch nicht erhöht, trotz gestiegener Rohstoffpreise. Der Endpreis hingegen stieg um 4,5 cent/kWh, hauptsächlich wegen der eingeführten Ökosteuer und der gestiegenen EEG-Umlage. Seit 2008 hat sich die EEG-Umlage verdreifacht und die Strompreise haben deutlich angezogen.

Durch die zig-fachen Erzeugungskosten können „Erneuerbare Energien” grundsätzlich nicht preisdämpfend wirken. Es gibt aber seltene Situationen, in denen sie den Strompreis weniger stark verteuern als sonst, und zwar dann, wenn die Nachfrage groß und das Angebot nur durch noch teurere Energien gedeckt werden kann (Merit-Order-Effekt). Für Kernkraftwerke gilt dies ständig, für die „Erneuerbaren” fast nie. So funktioniert halt der Markt.

Die zitierte „Studie” der Prognos AG ist nie in einer begutachteten Zeitschrift publiziert worden. Die dort behaupteten bis zu 60 Billionen Euro für einen „Super-GAU” stehen im eklatanten Widerspruch zur Reaktorhavarie in Fukushima, die Kosten von 70 Mrd. Euro verursacht hat, aber auch die Angaben zur Wahrscheinlichkeit eines „Super-GAUs”, aus denen schließlich 2 €/kWh errechnet werden, sind dort frei erfunden. Die von zwei Volkswirten vor 20 Jahren durchgeführte „Studie” ist höchst unwissenschaftlich, in Bezug auf die behaupteten Krebstoten sogar unmoralisch. Nicht ohne Grund hat die Prognos AG sie aus ihren Datenbanken entfernt.

Begutachtete wissenschaftliche Publikationen errechnen Kosten durch gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie sie z.B. durch Unfälle entstehen, von maximal 0,001 €/kWh.

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5 Kommentare zu #77: Strompreise

  1. Segelboot sagt:

    Kleiner Rechtschreibfehler:

    „Wind- und Sonnenenergie hätten am Strommarkt überhaupt keine Chance, würden sie nicht durch gesetzliche Regelungen (EEG) massiv subventioniert >werden,< und zusätzlich die technisch zwingend notwendigen Speicher konzeptionell mit einbeziehen."

  2. Jan R. sagt:

    Welche Quelle belegt die 70 Milliarden, die Fukushima verursacht haben soll? Und wie setzen sich die Kosten zusammen?

    • Kritikalität sagt:

      Danke, die WNA-Quelle musste hier hinzugefügt werden. Grob setzen sich die Kosten aus Haftungen, knapp 40 Mrd. $ und „Clean-Up“ (beinhaltet wohl auch das Kraftwerk selbst), über 50 Mrd. $ (lt. Version von 2012), zusammen. Das entspricht in der Summe umgerechnet 70 Mrd. Euro. Bemerkenswert sind die sehr hohen Entschädigungsleistungen für die Bewohner, im Schnitt 900.000 $ je vierköpfiger Haushalt, also mehr als 30 der knapp 40 Mrd. $ insgesamt. Die geschätzten Dekontaminationsaufwendungen sind seit Anfang diesen Jahres unnachvollziehbar auf 100 Mrd. $ über 40 Jahre verdoppelt worden, was an dieser Stelle genannt werden soll („Fukushima site“ ist hier irgendwie irreführend, offenbar ist das ganze Gebiet und nicht nur das Kraftwerk gemeint).

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