#24: Steinzeittechnik

Behauptung: 30 Jahre alte Technik ist nur eins: reif für den Schrott!

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Der Baubeginn der noch in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke lag zwischen 1970 und 1982.

Kein vernünftiger Mensch würde je behaupten, ein Auto wie der VW-411 von 1970 sei heute noch »sicherheitstechnisch auf dem aktuellen Stand« – selbst wenn er in der Zwischenzeit die Stoßdämpfer erneuert, die Bremsen gewechselt und Anschnallgurte nachgerüstet hätte. Und jeder, der ankündigte, seinen Commodore-C64-Heimcomputer (Bj. 1982-93) auf heutige Standards nachrüsten zu wollen, würde lauthals ausgelacht.

Nur bei Atomkraftwerken ist all das nach Ansicht ihrer Betreiber kein Problem …

„Weiterführende Informationen” der EWS

„Quellen” der EWS

Richtig ist …

Das Alter einer Anlage hat nicht unbedingt etwas mit der Sicherheit zu tun. Kein vernünftiger Mensch forderte je, man solle endlich die Pyramiden von Gizeh abreissen, weil sie »veraltet« sind. Solange die Gebäudestruktur intakt ist, ist das Gebäude sicher. Das Innenleben hingegen kann man beliebig austauschen. Auch einen VW-411 könnte man sicherheitstechnisch auf den aktuellen Stand bringen, nur wäre das vermutlich teurer als ein Neukauf. Und jemand, der in sein altes C64-Gehäuse einen moderen Computer einbaut, würde für dieses »Kunstwerk« großen Applaus ernten.

Die Sicherheitsanforderungen werden zuerst formuliert, dann entscheidet man, mit welchem Aufwand die Anlage diese Forderungen noch erfüllen kann. Bei Kernkraftwerken sind hier die passiv wirkenden Barrieren (Beton-/Stahlhüllen, Filter und Brennelementehüllen) besonders wichtig, welche aber meist nicht modernisiert werden müssen. Die sehr strengen KTA-Regeln beschreiben detailliert alle Anforderungen an Bauteile und Verfahren.

Die erst 50 Jahre junge „steinzeitliche” Kerntechnik nutzt bisher nur ein Bruchteil ihres Potentials – und ist damit bereits 20 mal so effizient wie z.B. die „moderne” Windenergie. Letztere wurde tatsächlich schon vor der Bronzezeit genutzt, und ihr technisches Potential ist heute längst ausgereizt.

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11 Kommentare zu #24: Steinzeittechnik

  1. mrotz sagt:

    Um das etwas auzubauen: Der maximale Wirkungsgrad einer Windenergieanlage liegt bei etwa 60%.
    Das liegt daran, daß die Windenergieanlage den Wind ja abbremsen muß, um Energie zu entziehen, aber würde sie diesen auf 0 abbremsen, herrscht stillstand und es geht nichts mehr, weil kein Wind abfließen kann. Es gibt also eine physikalische Grenze, die bei etwa 60% Wirkungsgrad liegt.
    Moderne Anlagen erreichen über 50% Wirkungsgrad und sind somit strömungstechnisch ausgereizt. In Detailsfragen sind sicherlich noch Verbesserungen zu erwarten (starkwind und schwachwindoptimierung, etc..).
    Allerdings, ist der Innovationsraum in der Kerntechnik bedeutend höher.
    1. weil dieser erst angekratzt wurde
    2. weil es schon Jahrzehnte keine Innovation in diesem Bereich mehr gab

    mfg

    • Kritikalität sagt:

      Guter Punkt, ist notiert. Wir müssen allerdings darauf achten, dass die Antworten nicht zu kompliziert werden. Es sollen kurze, knackige Texte sein. Schon jetzt sind viele etwas lang. Aber dafür gibt es ja gerade die Kommentarfunktion.

  2. Jan R. sagt:

    Wichtig finde ich auch noch die höher werdenden kosten bei Atomkraftwerken, man vergleiche nur mal das KKS mit dem EPR.
    Ich finde es erstaunlich, dass man immer höhere Sicherheitsanforderungen will(ist natürlich verständlich), aber die Meiler dann nicht länger laufen lassen will, weil 30 Jahre ja schon Steinzeit ist. Ich verwette alles darauf, man könnte heutige Reaktoren bedeutend billiger machen, wenn man bei der Sicherheit einspart.

    • Kritikalität sagt:

      Natürlich werden Kernkraftwerke billiger, wenn man an Sicherheitseinrichtungen spart. Wie man bereits an Three Mile Island sah (die Reaktoren waren nicht ganz so gut „ausgestattet“), passiert bei einer Kernschmelze so gut wie nichts. Die wissenschaftlich völlig unbegründbaren Phobien, die man heute beim Strahlenschutz auslebt, machen die Anlagen heute teurer.

      Andererseits kann man sogar sichere Kraftwerke preiswert bauen. China baut zwei EPR-Blöcke für insgesamt 8 Mrd. US-$, 2014 sollen sie ans Netz gehen. Das entspricht 2,50 $ je Watt installierter elektrischer Leistung, etwa die Hälfte bis ein Drittel (im Vergleich zu Hinkley Point (UK) sogar ein Viertel) der europäischen Baukosten. Das Argument der billigen chinesischen Arbeitskräfte greift hier nicht, da China (noch) über 80 % aller Komponenten importieren muss. Bei zukünftigen Kraftwerken der Generation IV (insbesondere Salzschmelzereaktoren) kann die Sicherheit und die Wirtschaftlichkeit noch weiter erhöht werden.

      • Jan R. sagt:

        Sehe ich ganz genau so, ich finde es erstaunlich wie man gegen den EPR argumentiert, vor allem gegen den in Finnland oder wie in einem Kommentar gegen den SNR-300 in Kalkar. Dass erste Prototypen mehr kosten als spätere Bauten, ist für mich eigentlich nicht verwunderlich. Die Entwicklung der Baukosten ist sowieso heftig, während sie am Anfang bei max. 1000€/kW lagen, mittlerweile bei 5000€/kW oder mehr liegen, zeigt doch wie sehr einem an Sicherheit gelegen ist. Sicher kommen nicht alle zusätzlichen kosten nur dadurch, aber für mich sprechen die Fakten eine deutliche Sprache. Statt unnötig viel Geld für die Energiewende auszugeben, sollte man doch lieber das „Restrisiko“ verringern oder Möglichkeiten dafür erforschen, wie es ja beim EPR gemacht wurde. Der EPR ist, wie auch in den 100 guten Antworten beschrieben, noch einmal sicherer als die ohnehin schon sicheren Kraftwerke. Die EWS disqualifizieren sich schon durch viele der Argumente, die für mich bei einer Argumentation gegen zivile Nutzung an sich nicht sprechen. Um nur ein Beispiel zu nennen, kommen dort die Militärische Nutzung zur Sprache wenn es so wäre dass man „getarnt“ Atomwaffen durch zivile Anlagen herstellen könnte, dann wäre es doch unsere Verantwortung diese Technik nicht zu exportieren. Genauso sieht es mit Flugzeugabstürzen aus, was spräche dagegen Kernkraftwerke mit Flugabwehrgeschützen auszustatten, dass wäre billiger als nachrüsten, es ist ja so oder so sinnvoll gekaperte Flugzeuge abzuschießen, um Menschenleben zu retten. Die Liste der Argumente, die sich schon so, also durch eine Überlegung, widerlegen lassen, ist groß.

        • Brutha sagt:

          Einspruch zwecks Terror mit gezielten Flugzeugabstürzen,

          1. Das KKW ist kein Hochhaus, um mit einer Boeing dort reinzufliegen benötigt es schon eine gewisse Beherschung des Fliegers sowie Glück.
          2. Es wäre sinnvoller die Kuppel des KKW zu verstärken, falls überhaupt nötig als ein Geschütz in einem KKW zu montieren, damit würde man es ja zu einer militärischen Zone machen und somit erst recht Futter für VT´s liefern…
          3. Ist der Terroranschlag auf ein KKW eher unwahrscheinlich, es gibt bessere Möglichkeiten mit dem begrentzen Möglichkeiten eines Terroristen mehr Angst zu erzeugen!
          Koffer auf gut besuchten Öffentlichen Orten sowie Autobomben gehören hier zum Standardrepertoire. Der Terrorismus zielt ja auf Größtmögliche Angsterzeugung ab, Problem beim KWK, selbst wenn die Boeing die Kuppel trifft, ist es nicht gesagt das er sie auch Zerstört, Stichwort Auftreffwinkel.
          In einem gebe ich ihnen aber recht, die ohnehin übertriebene Angst vor KKW´s wird noch durch die Angst eines theoretischen Terroranschlags genähert.

          Grüße Brutha

          • Jan R. sagt:

            Hallo,
            Sie haben natürlich Recht, wenn sie sagen, dass Geschütze nicht unbedingt eine schöne Sache. Problem ist aber, dass AKW Nachrüstungen sehr teuer sind auf diesem Gebiet, so wären mir Geschütze lieber als abschalten. Installiert werden sie schon in Frankreich und in den USA. Es geht ja auch nur um wenig flexible Flugabwehrwaffen um gegen Angriffe und zufällig abstürzende gerüstet zu sein, dass würde auch garantieren, dass der Reaktor anschließend weiter laufen kann. Ihre Punkte 1. und 3. gefallen mir, aber ich werde sie des Öfteren mal zitieren, wenn das ok ist.

  3. Brutha sagt:

    Hallo Jan R.,
    die Punkte die ich aufgeführt habe dürfen sie gerne zitieren,
    mich würde interessieren was es für Geschütze sind die ihn Frankreich und USA installiert werden?
    Raketen werden es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sein oder?
    Ich würde eher auf eine Großkalibrige Waffe tippen. wobei auch mit dieser sollte sie unter Kontrolle von Terroristen kommen erheblich Schaden angerichtet werden kann.
    Über Information und Links wäre ich ihnen dankbar!
    Herzlich
    Brutha

  4. Jan R. sagt:

    Zunächst einmal wäre du schön, ich bin erst 15.
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/sicherheit-frankreich-setzt-auf-luftabwehr-deutschland-auf-experten-140181.html
    Einen anderen Link konnte ich nicht finden, ist lange her, dass ich das gelesen habe. Nun ich glaube, dass das erbeuten schwierig ist, zumal ja andere Waffen wirkungsvoller wären. Ich denke mal, dass sie auch befestigt werden können.

  5. Brutha sagt:

    Hallo Jan,
    gerne!
    Meine Sorge gilt nicht dem erbeuten der Waffen, sondern das benutzen dieser um direkt im KKW Schaden anzurichten!
    Ein guter Artikel über die Sicherheit der Deutschen KKW´s ist hier zu finden
    http://www.kernenergie.de/kernenergie/themen/sicherheit/schutz-von-kernkraftwerken-gegen-gezielte-flugzeugabstuerze.php

    Freut mich das jemand mit 15 sich für die Kerntechnik interessiert, ist es eher die Ausnahme oder denkst du
    das sich der Wind ein wenig wendet?
    Oder steht das Groß deiner Altersgenossen diesem Thema ablehnend gegenüber bzw. wie wird derzeit in der Schule darüber diskutiert?
    Es wäre diesbezüglich interessant deine Einschätzung dazu zu erfahren!

    Grüße Brutha

  6. Jan R. sagt:

    Hallo Brutha,
    ich habe gelesen, dass die Waffen etwas weit weg stationiert werden sollen, es sind schließlich Fahrzeuge die mit einem Luftabwehrsystem ausgestattet werden. Ich finde es ohnehin absurd so etwas zu behaupten, dass Terroristen so etwas tun.
    Aber wenden ihr uns doch noch einmal dem Thema Schule. In der Schule behandelt man das Thema Energie in verschiedenen Fächern: Physik, Wipo, Erdkunde und evtl auch in Englisch und Deutsch, je nachdem welche Lehrer man hat und in wie fern sie über so etwas reden wollen. Die meisten Lehrer probieren neutral zu bleiben obwohl man ihnen oft anmerken konnte, dass sie es nicht verstanden wie man sich für Kernkraft einsetzen, geschweige denn argumentieren kann. In der 7. Klasse z. B sollten wir Plakate machen gegen den Klimawandel. In dem Alter haben natürlich alle gesagt mehr Wind, mehr Sonne usw., als ich dann vorschlug man könnte die AKWs wie geplant(2010) länger laufen lassen, war das schlichtweg falsch und durfte nicht darauf. Was meine Mitschüler darüber denken ist es nicht viel anders immerhin in der 9. wo das Thema nochmals angerissen wird, vertraten viele immerhin die Ansicht der Laufzeitverlängerung, die meisten waren aber für Kernfusion, die viele schon als fast fertig ansahen oder aber für die EE. Nun in der neuen Klasse also in der Oberstufe, im neuen Einführungsjahr, wo nebenbei 15 Jährige mit 18 Jährigen in eine Klasse kommen, ist in meinem Profil zumindest die Stimmung pro Atom oder aber es wird die Ansicht vertreten: „Atom ist schlecht, ohne geht es aber nicht!“ Ich habe gehört, dass demnächst mit vielen Schülern über EU Themen diskutiert werden soll, dort werde ich mein Glück mit den 100 guten Antworten und eigenem erworbenem Wissen versuchen. Allgemein kann ich aber sagen, das mir so ein wichtiges Thema nicht genug diskutiert wird, deshalb diskutiere ich auf YT und dass das Interesse der Altersgenossen zwar da ist, aber sich oft nicht bewusst gemacht wird was aktuell geschieht.

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