#98: Auslaufmodell

Behauptung: Atomkraft ist weltweit ein Auslaufmodell.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

In Europa nutzen ganze 18 von 46 Staaten überhaupt Atomkraft. In nur zwei davon sind neue Reaktoren real in Bau. Innerhalb der 27 EU-Länder nimmt sowohl die Anzahl der Reaktoren als auch der Anteil von Atomkraft an der Stromproduktion ab.

Weltweit gingen in den letzten zehn Jahren 35 Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 26 Gigawatt neu ans Netz. Von den derzeit 438 Reaktoren sind aber 348 (mit einer Gesamtleistung von 293 Gigawatt) schon über 20 Jahre alt. Um diese Atomkraftwerke auch nur zu ersetzen, müsste ab sofort bis 2030 alle 18,5 Tage ein neuer Reaktor ans Netz gehen. Davon sind wir weit entfernt.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Die nukleare Stromproduktion ist seit Anbeginn stetig gewachsen und war 2010 so hoch wie nie zuvor. Lediglich der Anteil ist in den 10 Jahren davor von 16% auf 13% zurückgegangen. Das liegt vor allem an neuen wirtschaftlich nutzbaren fossilen Rohstoffen auf dem Weltmarkt. Zum Beispiel wurden durch Schiefergas alte Gasmonopole gebrochen, und die Preise sanken so erheblich, dass in den USA viele Kernkraftwerksplanungen vorerst auf Eis gelegt wurden. Durch einige Panikstilllegungen nach Fukushima und Abschaltungen in Japan für mehr als ein Jahr entstand ein weiterer temporärer Rückgang.

Kernreaktoren haben eine Lebensdauer von mindestens 60 Jahren, moderne eher 80-100 Jahre, Genehmigungen werden üblicherweise zunächst für 40 Jahre erteilt. Dass 20 Jahre alte Kernkraftwerke ersetzt werden müssten, ist schlicht Unsinn, auf Wind- und Solaranlagen trifft dies aber mit Sicherheit zu. Trotz Fukushima werden in den USA fast alle und in anderen Ländern einige Kernkraftwerke über die 40 Jahre hinausgehende Laufzeitverlängerungen erhalten. Dutzende neuer Anlagen werden in Russland, China, Südkorea und in den arabischen Ländern gebaut. 64 Reaktoren befinden sich derzeit weltweit in Bau.

Wären moderne Brutreaktoren („Schneller Brüter”) und Hochtemperaturreaktoren in der Vergangenheit nicht so massiv aus irrationalen Gründen behindert und somit weiterentwickelt worden, so hätte der Anteil der Kernenergie – auch und vor allem in der (Prozess-)Wärmeproduktion – massiv gesteigert werden können. Bei den „Erneuerbaren Energien” hingegen sind noch keine nennenswerten stabilen Versorgungskapazitäten zu erkennen, während die Subventionen völlig aus dem Ruder laufen.

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2 Kommentare zu #98: Auslaufmodell

  1. Faina Faruz sagt:

    Hier ist der Wunsch die Mutter der Lüge: Das Statistikamt des US-Energieministeriums – die US Energy Information Administration (EIA) – prognostiziert ein starkes Anwachsen der erneuerbaren Energien und der Kernenergie. Beide sind nach dieser Studie die weltweit am schnellsten wachsenden Energiebereiche mit einem jährlichen Wachstum von jeweils 2,5 Prozent. „Renewable energy and nuclear power are the world’s fastest-growing energy sources, each increasing by 2.5 percent per year. However, fossil fuels continue to supply almost 80 percent of world energy use through 2040.“
    In Nicht-OECD-Ländern wird sich der Energieverbrauch in den nächsten 30 Jahren fast verdoppeln, in OECD* Ländern um 17 Prozent ansteigen.
    International Energy Outlook 2013

  2. quer sagt:

    Gut zu wissen, daß man „weltweit“ noch nichts davon weiß. Diese Aussage gilt allein für den Teil der Welt, in dem (noch) deutsch gesprochen wird.

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