#90: Schmutzige Bomben

Behauptung: Radioaktive Stoffe aus Atomanlagen können für schmutzige Bomben missbraucht werden.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Eine kleine Menge radioaktiver Spaltprodukte aus irgendeiner Atomanlage, mit herkömmlichem Sprengstoff vermischt, genügen zum Bau einer sogenannten schmutzigen Bombe. Deren Explosion würde die Spaltstoffe fein zerstäuben und verteilen und damit die Umgebung zusätzlich radioaktiv verseuchen – ein übles Drohpotenzial.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Spaltprodukte für schmutzige Bomben verwenden – unsinniger geht es nicht mehr. Zum einen sind diese extrem schwierig zu beschaffen, zum anderen extrem schwierig zu verarbeiten, und zum dritten großflächig verteilt extrem wirkungslos. Selbst die theoretischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen würden sich erst nach Jahrzehnten bemerkbar machen. Im Gegensatz zu Chemikalien baut sich die Radioaktivität außerdem selbst ab – eine dauerhafte Unbewohnbarkeit kann man damit also nicht erreichen.

Arsen, Zyanid, Aldrin, DDT, Dioxin – die Liste der Stoffe, die für eine schmutzige Bombe „besser” geeignet sind, ist endlos. Bei ihnen ist der „Erfolg” garantiert. Besonders empfehlenswert: Methylisocyanat – bei Zimmertemperatur flüchtig, reagiert mit Wasser, mit Luft sogar explosiv. In einer Chemiefabrik im indischen Bhopal wurde es aus Versehen freigesetzt – Tausende starben sofort, Zehntausende später.

Wer tatsächlich so dumm ist, Spaltprodukt-Bomben herzustellen, muss sich außerdem beeilen, sie einzusetzen, denn die Radioaktivität wird jedes Jahr geringer. Bis dahin gefährdet er vor allem einen – sich selbst.

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Ein Kommentar zu #90: Schmutzige Bomben

  1. Tritium sagt:

    Die von ihnen genannten Chemikalien sind ‚harmlos‘, so was verwendet man nicht für C-Waffen. DDT schon gar nicht, das schadet Menschen überhaupt nicht, die einzige Folge eines ‚Einsatzes‘ wäre, dass die Malaria zurückgeht.

    Die gefährlichsten Kampfstoffe sind Phosphorsäure-Ester: Tabun, Soman, VX.
    Die können aber (Wenn man auf die Sicherheit der Arbeiter keinen besonders grossen Wert legt) leicht in Fabriken hergestellt werden, die ansonsten Insektizide für die Landwirtschaft herstellen, z.B. das chemisch nahe verwandte E 605.
    Radionuklide haben aber vor allem noch eine militärisch unerwünschte Eigenschaft: Sie sind zu langlebig. Man will ja Land erobern. Deshalb sollen Kampfstoffe zwar beim Einsatz tödlich sein, aber sie sollen sich danach möglichst schnell abbauen, damit die eigenen Truppen schnell einrücken können ohne selbst gefährdet zu sein. Das machen die Nervenkampfstoffe besonders gut: bei Kontakt mit Wasser bauen sie sich rasch ab und das Gebiet ist spätestens nach einigen Tagen wieder ungefährlich.

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