#60: Atommüll zerstört Endlager

Behauptung: Radioaktivität zersetzt das Salzgestein.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Radioaktive Strahlung zersetzt das Salzgestein. Das wies der Groninger Professor Henry Den Hartog nach. Die Folgen für ein Atommüll-Endlager in Salz, etwa das in Gorleben geplante, könnten verheerend sein. Die zuständigen Behörden zogen daraus bisher keinerlei Konsequenzen.

Salz ist auch aus anderen Gründen als Endlagergestein umstritten: Das plastische Gestein drückt die Lagerkammern zusammen, sodass die Behälter platzen, steigt durch den Druck stetig nach oben und ist extrem wasserlöslich. Carnallit, ein Salzgestein, das sich auch im Gorlebener Salzstock findet, beginnt zudem schon bei 300 Grad zu schmelzen – Temperaturen, die in einem Endlager durchaus möglich sind.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Richtig, radioaktive Strahlung zersetzt das Salzgestein. Auch stimmt es, dass sich das Salzgestein plastisch verformt. Es ist auch wasserlöslich und es kann auch schmelzen. Geologen sind von diesen sensationellen Neuigkeiten allerdings etwa so überrascht wie ein Physiker von der Nachricht, dass Gegenstände nach unten fallen, wenn man sie loslässt. Der Unterschied zwischen Laien und Fachmann besteht darin, dass letzterer den Einfluss quantifizieren kann, und hier liegt der springende Punkt.

Zum Beispiel führt die von Professor Henry Den Hartog bestimmte Zersetzungsrate, würde man sie auf ein Endlager übertragen, selbst unter völlig absurden Annahmen schlimmenfalls zu über Jahrtausende verteilten Mikroexplosionen, die dem Salzstock nicht den geringsten Schaden zufügen können. Dieser hielte sogar interne Detonationen mit nuklearen Sprenkörpern aus, ohne Radioaktivität freizusetzen – dies haben Industriesprengungen in der ehemaligen Sowjetunion gezeigt. Plastischen Verformungen und Wärmeentwicklung wirken sich hingegen eher positiv auf die Einkapselungen aus, wie durch eine Demonstration mit einem Erhitzer bei der Asse eindrucksvoll gezeigt wurde.

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5 Kommentare zu #60: Atommüll zerstört Endlager

  1. Segelboot sagt:

    Ihr zweiter Absatz ist etwas wirr, und weit hergeholt. Statt auf Basis absurder Zersetzungsraten von Mikroexplosionen zu reden, und im nächsten Argumentationsschritt von unteridischen Kernwaffenexplosionen zu schwadronieren, sollten sie den Abschnitt mit Fakten füttern.

    Wie hoch ist die Zersetzungsrate? Unter welchen Bedingungen entstehen welche Gase? Sind sie zündfähig? Woher kommt die Zündenergie? Wie kraftvoll wäre eine Detonation? Was wären die Folgen? Wie Wahrscheinlich ist dieses Szenario? Woher hat Prof. Den Hartog seine Daten? Versuche? Simulationen? Sind seine Ergebnisse von anderen Wissenschaftlern reproduziert worden? Gab es eine Fachveröffentlichung von ihm zu dem Thema?

    Wenn sie Schlüsselsätze wie „Zum Beispiel führt die von Professor Henry Den Hartog bestimmte Zersetzungsrate, würde man sie auf ein Endlager übertragen, selbst unter völlig absurden Annahmen schlimmenfalls zu über Jahrtausende verteilten Mikroexplosionen, … “ schreiben, sollten sie bei „Unsere Quellen“ auch eine Quelle dafür angeben – zb das Paper des Herrn selbst. Googeln und Uni-Bib-Recherche haben mich hier aber nicht weitergebracht.

    Prinzipiell ist nur die erste Quelle der EWS zum Thema Zersetzung/Explosionen. Hier wird wild Zersetzung von Salz unter Radiolyse zu Na und Cl beschrieben, aber bunt Sprengstoffe und andere nichtrelevanten Dinge mit eingebaut. Die beschriebenen Strahlendosen von 100 Mrad/h (1000000 Gy/h) für die Salzzersetzung werden in einem Endlager (oder einem Kernreaktor) nicht erreicht. Die beschriebene Spontanexplosion von HMX finden laut EWS-Quelle bei 10 Mrad (100000 Gy) statt. Auch diese Strahlendosis wird praktisch nirgends erreicht. Letztlich läßt sich fast alles durch eine Radiolyse zerstrahlen, wenn man die Dosis hoch genug dreht.

    Zu guter Letzt könnte man auch Flüssigsalzreaktorkonzepte erwähnen, die mit NaCl als Trägersalz arbeiten. Warum explodieren die nicht? Nun, weil die Dosis zur Zersetzung nie erreicht wird. Soweit ich mitbekommen habe, jammert Hartog nun nach Forschungsgeldern für die Salzradiolyse, die ihm aufgrund seines offensichtlichen Unsinns sogar in D verweigert werden. Einfach mal googlen…

    • Kritikalität sagt:

      Die Quelle ist ja von den EWS selbst angegeben, daher haben wir es nicht für nötig befunden, diese nochmals zu zitieren. Aber Sie haben Recht, man glaubt es einfach nicht, dass oft die von den EWS selbst angegebenen Quellen für eine vollständige Widerlegung von deren Behauptungen ausreichen, wir sollten deshalb die Quelle hier nochmals zitieren.

      Wir hatten das „Szenario” analysiert, und es handelt sich tatsächlich um Mikro-Explosionen, 800 Meter tief in Salzgestein. Und die gibt es auch nur unter extremen und absurden Annahmen. Wir hielten es hier schon für wichtig, auch mal auf die nuklearen „Industriesprengungen” hinzuweisen, die in der damaligen Sowjetunion ebenfalls in Salzgestein durchgeführt wurden, und bei denen keine relevante Radioaktivität nach außen drang.

      Sie müssen eins bedenken, man darf den Text nicht zu lang werden lassen. An den Quellenangaben kann sicher noch was verbessert werden, aber der Text darf nicht mehr länger werden. Hier müssen die Kommentare helfen. Vielleicht erarbeiten wir noch zu einigen Gründen Begleittexte.

      • Segelboot sagt:

        Das ist eben mein Punkt: Auf die Industriesprengungen hinzuweisen halte ich für zu weit hergeholt, und für nicht hilfreich. Der zweite Absatz kann doch komplett umgeschrieben werden, zb:

        „Die von Professor Den Hartog bestimmte Strahlendosis für die NaCl-Zersetzung beträgt 100 Mrad/h (1000000 Gy/h). Diese Dosis kann in einem Endlager nicht erreicht werden, selbst in einem Kernreaktor fällt die Strahlenbelastung weit geringer aus. Die Erkenntnisse des Herrn Prof. Den Hartog sind deshalb irrelevant. Letztlich läßt sich fast alles durch eine Radiolyse zerstrahlen, wenn die Dosis hoch genug ist.“

        Frage: Auf Basis welcher Annahmen haben Sie das „Szenario” analysiert? Durch den eingesparten Textraum könnte man noch ein paar Worte zu Carnallit verlieren.

        • Kritikalität sagt:

          Sorry, nicht wir selbst haben den Forschungsgegenstand analysiert, sondern das „Szenario“, sprich das Dokument studiert. Dort geht es um Experimente, bei denen man Salzproben mit den von Ihnen auch wiederholten Dosisleistungen bestrahlt hat. Ergebnis: Hin und wieder kleine Explosionen. Sie haben völlig Recht, selbst bestrahlte, frisch entnommene Brennelemente strahlen allenfalls im Bereich (einige) 1000 bis 10000 Gy/h.

          Wir hatten mit den Industriesprengungen auch vorgreifen wollen. Wenn das Argument kommt: „Sie können Explosionen (auch aus anderen Gründen) nicht ausschließen – und was ist dann?“
          Dann ist aber gezeigt, dass hier nicht viel passiert. Das schien uns der einzige Grund zu sein, das mal zu erwähnen, es ist kaum bekannt.

          • Segelboot sagt:

            Ich bin trotzdem der Ansicht: Mit den Industriesprengungen weichen Sie vom Thema ab.

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