#35: Kabelsalat

Behauptung: Fehler in der Elektrik sind in Atomkraftwerken gang und gäbe – mit gravierenden Folgen.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Im Sommer 2006 steht Europa kurz vor der Katastrophe. Wegen konzeptioneller Fehler in der Verkabelung springen im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark nach einem Kurzschluss und Stromausfall die Notstromaggregate nicht an. Nur Minuten bleiben bis zum Beginn einer Kernschmelze. Kein Einzelfall: Im Atomkraftwerk Brunsbüttel stand wegen Fehlern in der Elektrik seit der Inbetriebnahme des Reaktors im Jahr 1976 keine ausreichende Notstromversorgung der Not- und Nachkühlsysteme zur Verfügung. Und das Atomkraftwerk Biblis musste gleich reihenweise falsche, lockere und schlampig ausgeführte Verkabelungen melden.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Alle vier Notstromaggregate am schwedischen Kernkraftwerk Forsmark sind planmäßig angesprungen, nur konnten zwei von ihnen durch einen Auslegungsfehler nicht mit dem internen Netz verbunden werden – ein Fehler, der nach 20 Minuten behoben war. Selbst bei einem Totalversagen aller Notstromaggregate (sie waren, wie gesagt, alle angesprungen) wäre man durch zahlreiche weitere Sicherheitsbarrieren von einer Kernschmelze immer noch weit entfernt gewesen. Und selbst eine Kernschelze hätte schlimmstenfalls Auswirkungen wie bei Harrisburg 1979 gehabt, keine „Europäische Katastrophe”.

Im Kieler Sozialministerium hat man sich daraufhin Sorgen gemacht und den Betreiber aufgefordert, für das Schleswig-Holsteinische Kernkraftwerk Brunsbüttel zu belegen, dass eine ausreichende Notstromversorgung jederzeit gewährleistet ist, was dieser auch umgehend tat. Dem Kieler Sozialministerium war dies jedoch egal, Nachbesserungen sollten trotzdem stattfinden. 1½ Jahre später heißt es dann von gleicher Stelle: „Der in Teilen der Presse verbreitete Eindruck, die Notstromversorgung des Kernkraftwerks Brunsbüttel entspreche nicht dem Regelwerk, ist zu korrigieren”. Sicherheit kann eben auch politisch missbraucht werden.

„…reihenweise falsche, lockere und schlampig ausgeführte Verkabelungen” in Biblis B sind grobe Übertreibung. Der einzige erwähnenswerte Vorfall war die falsche Verkabelung einer Feuerlöschpumpe im Jahre 2002, ein Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung. Sie wurde bei einer Routineüberprüfung bemerkt und umgehend beseitigt, außerdem stand eine zweite Pumpe betriebsbereit zur Verfügung.

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2 Kommentare zu #35: Kabelsalat

  1. Daniel G. sagt:

    Siehe Beitrag zu „Flugzeugabstürzen“: Es wird ohne jegliche Begründung einfach davon ausgegangen, dass eine Kernschmelze in Forsmark die selben Auswirkungen gehabt hätte, wie damals auf Three Mile Island. Ich meine mich an eine andere Kernschmelze zu erinnern, wo sogar Reaktordächer weggefegt wurden…moment, ich komme nicht drauf, hmm. War aber glaube ich vor ungefähr 4 Jahren (Ironie Ende)

    • Rudolf K. sagt:

      Daniel G – auch hier sind Sie leider nur auf Panikmache aus. Fehler passieren. Und werden korrigiert. Aber ich habe großes Vertrauen in die Betreiber der Anlagen. Das sind keine Hazardeure.

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