#17: Heiße Flüsse

Behauptung: Das warme Abwasser aus Atomkraftwerken raubt den Fischen den Sauerstoff.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Atomkraftwerke sind Energieverschwender – mit ihrem bis zu 33 Grad warmen Abwasser heizen sie vor allem die Flüsse auf. Das raubt den Fischen gleich doppelt den Atem.

Erstens führt warmes Flusswasser weniger Sauerstoff mit sich als kühles. Und zweitens sterben in warmem Wasser mehr Pflanzen und Kleintiere ab, deren Biomasse beim Verrotten weiteren Sauerstoff verbraucht. Der fehlt dann den Fischen.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

In der Bundesrepublik Deutschland muss nur noch das Kernkraftwerk Brokdorf mittels Flusskühlung warmes Wasser einleiten – und zwar an der Nordsee-Mündung der Elbe. Die anderen Kernkraftwerke nutzen überwiegend ihre Kühltürme, sodass die Erwärmung im Fluss selbst in unmittelbarer Umgebung teils deutlich unter einem Grad bleibt.

Einige der mittlerweile stillgelegten deutschen Kernkraftwerke hatten einen relevanten Rückfluss ins Wasser, da es dort keine Kühltürme gab. Man muss sich eben entscheiden zwischen einem optisch wenig ansprechenden dampfenden Nasskühlturm oder einer minimalen Erhöhung der Flusstemperatur. 33 Grad warmes Abwasser heißt aber nicht, dass der gesamte Fluss diese Temperatur erreicht. Bei großen Flüssen steigt die Temperatur nur wenige Kilometer in der Nähe der Kraftwerke, in der sogenannten Kühlfahne, um weniger als ein Grad – keine Gefahr für den Fischlaich.

Es handelt sich hierbei nicht um „Energieverschwendung”, sondern um den technischen Wirkungsgrad. Genau so könnte man argumentieren, dass Wind- und Solarkraftwerke nur maximal 0,00000005% der von der Sonne abgestrahlten Energie nutzen können, während der Rest im All verschwindet bzw. die Erde aufwärmt. Thermische Kraftwerke können ihren Wirkungsgrad übrigens mit hohen Temperaturen erheblich steigern und damit die Abwärme reduzieren. Außerdem kann die Kühlung mit entsprechendem technischen Aufwand durch Trockenkühltürme auf die Luft verlagert werden, wie es z.B. beim deutschen Hochtemperaturreaktor umgesetzt wurde. Der wurde aber als politisch-emotionale Reaktion auf Tschernobyl im September 1989 abgeschaltet.

Warmes Abwasser aus Kernkraftwerken ist also in Deutschland nicht mehr relevant und andernorts technisch ohne große Kosten handhabbar. Zudem ist dies keine spezielle Eigenschaft von Kernkraftwerken, sondern jedes thermischen Großkraftwerks.

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Ein Kommentar zu #17: Heiße Flüsse

  1. Johnny Doepp sagt:

    Kühltürme haben nichts mit Ästhetik zu tun. Sie kosten Geld auf der einen Seite, sind zum anderen für die Auslegung des Kraftwerks nötig. Im Sommer z.B. können Kraftwerke unter Umständen nicht mit 100 % der Nominalleistung fahren, weil selbst das Flusskühlwasser zu warm ist, und weil im Sommer auch weniger Wasser durch die Flüsse fließen. Möchte man dies vermeiden, so braucht man eben einen Kühlturm.
    Aber das mit den Fischen und dem Sauerstoff ist nahezu lächerlich. Das Löslichkeitsprodukt für Sauerstoff in Wasser wächst mit der Temperatur. Wieso sollte also der Sauerstoffgehalt sinken? Einzig, wenn es mehr Lebewesen, vor allem Algen, im Gewässer gibt, könnte der Sauerstoffgehalt sinken. In stehenden Gewässern kann ich nachvollziehen, wie das gehen kann. Bei fließenden Gewässern kann ich das nicht. Bleibt die Temperaturerhöhung im Fluss. Erstens verteilen sich Temperaturhotspots recht schnell. Zum anderen sieht man an anderer Stelle, dass Fische eigentlich recht gut mit gehobenen Temperaturen klarkommen können. Bei den Peitzer Karpfenteichen neben dem Kraftwerk Jänschwalde wird gerade die höhere Temperatur für die Fischzucht genutzt. Und das sind weitgehend stehende Gewässer!

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