#79: Konzernmacht

Behauptung: Atomkraft zementiert die zentrale Struktur der Energieversorgung und die Macht der Stromkonzerne.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Vier große Stromkonzerne beherrschen den Strommarkt in Deutschland. Ihnen gehören die Stromnetze, sie betreiben die Kraftwerke, sie bestimmen die Strompreise und in einem unglaublichen Maß sogar die Energiepolitik. Atomkraft stärkt die Konzernmacht. Dezentrale, hocheffiziente und umweltfreundliche Kraftwerke in Bürgerhand oder in kommunaler Regie entmachten die Konzerne. Deswegen versuchen die Atomkraftwerksbetreiber, solche Anlagen um jeden Preis zu verhindern.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Ob in U-Booten, Schiffen, oder sogar Flugzeugen, überall wurden Kernreaktoren schon erprobt. Toshiba, Hyperion, NuScale, Babcock, General Electrics, Hitachi, General Atomics – sie alle arbeiten an neuen Minireaktoren mit Leistungen bis hinunter zu 10 Megawatt. Diese können sogar in Serie gefertigt werden, was die Genehmigungsverfahren deutlich reduziert. Hyperion schätzt den weltweiten Bedarf auf eine halbe Million Kleinstreaktoren.

Dezentrale Strukturen lassen sich deshalb gerade mit Kernenergie extrem gut aufbauen. Nuklearmodule können fertig gekapselt mit Brennstoff jahrzehntelang laufen und werden dann komplett ausgetauscht, ganz im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie, wo das unstetige Angebot einen großflächigen Ausgleich erforderlich macht, der sich nur durch landesweite, sogar europaweite Netz- und Speicherstrukturen umsetzen lässt. Aufwändige Speichertechniken kommen noch hinzu. Dies führt zwangsläufig zu zentralen Strukturen mit großen Konzernen, spätestens wenn die exorbitanten Subventionen reduziert werden.

Dezentrale, hocheffiziente und umweltfreundliche Kernkraftwerke in Bürgerhand oder in kommunaler Regie entmachten die EEG-Subventions-Gewinnler. Deswegen versucht die Solar- und Windlobby, Kernenergie um jeden Preis zu verhindern und schlecht zu machen. Die „100 guten Gründe” sind dafür ein exzellentes Beispiel.

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4 Kommentare zu #79: Konzernmacht

  1. Tritium sagt:

    man muss vor allem sehen, was ‚dezentral‘ wirklich bedeutet:
    Es gibt eine optimale Größe für Kraftwerke.
    – Sind sie zu groß, wird der Weg zum Kunden zu lang und kostet (Leitungsbau, Leitungsverluste) zu viel und übergroße Bauteile (z.B. Turbinen) werden aufgrund der schlechter werdenden Grössenverhältnisse (z.B. nimmt die Tragkraft eines 10 x grösseren Bauteils zwar analog zut Fläche um das 100-fache zu, aber die Masse um das 1000-fache!) pro Leistungseinheit immer teurer.
    – Sind sie zu klein, muss man zu viele bauen, 10 Kessel, 10 Turbinen, 10-faches Personal etc. für 10 x 100-MW-Kraftwerke statt nur einem Kessel, einer Turbine etc. für das eine 1000-MW-Kraftwerk

    Usrsprünglich waren Krafftwerke sehr klein, sie versorgten einen Stadtteil, eine Fabrik, eine Kleinstadt etc. Das erwies sich mehr und mehr als unwirtschaftlich und deshalb wuchsen sie. In diesem Prozess kristallisierte sich generell der 1000 MW-Block als optimale Grösse heraus, er kann ein Gebiet mit einem Einzugsbereich von etwa 100 bis 300 Kilometern versorgen, beansprucht dadurch nur eine geringe Netzdichte und ist ganz einfach viel billiger.
    Das heisst: Die 1000-MW-Blöcke, die heutzutage mehr oder weniger Standard sind, SIND ‚dezentral‘, kleinere Einheiten wären schlicht viel zu unwirtschaftlich, verbrauchen viel mehr Rohstoffe und Brennmaterial, haben zu viel Wartungsaufwand, brauchen MEHR Leitungen und haben andererseits keinerlei reale Vorteile.

    Bemerkenswerterweise wurden und werden solche großen Kraftwerksblöcke auch ÜBERALL gebaut, auch dort, wo es keine ‚Konzerne‘ gab oder gibt: In der BRD, als die Kraftwerke noch Staatseigentum waren (Alle Kernkraftwerke wurden von staatseigenen Versorgungsbetrieben errichtet!), in der DDR, in China…
    China ist auch das Musterbeispiel dafür, wie absurd eine ‚dezentrale‘ Produktion mit Miniaturanlagen im Hinterhof ist: Während des ‚Großen Sprung nach vorn‘ wurden überall im Land Miniatur-Hochöfen zur Stahlerzeugung gebaut, doch das endete in einer Katastrophe, denn mit ungeheurem Materialeinsatz wurden nur winzige Mengen Stahl erzeugt, der so minderwertig war, dass er als ‚Ausschuß‘ gelten musste.

  2. AnnaVero Wendland sagt:

    Trotzdem ist es begrüßenswert, dass hier mal die Behauptung kritisch gewzägt wird, die Technologie als solche habe notwendigerweise Zentralität und Konzernmacht zur Folge. Wer das behauptet, verwechselt Wirtschaftssystem mit Technologie. Auch große Windparks werden hierzulande heute zumeist von Investorengruppen oder Konzernen errichtet, auch hier gibt es das Problem der fehlenden Bürgerbeteiligung (Quellen: Publikationen des Instituts für Regionalplanung und Strukturforschung zur Energiewende). Wenn der politische Wille da ist, kann man auch ein KKW als kommunales oder öffentlich-rechtliches Projekt bauen und betreiben.

  3. Ocin1 Richter sagt:

    Neben bei, die meisten KKW werden in Europa von Staats-Konzernen betrieben. In Frankreich durch den Staats-Konzern EDF mit allen 19 KKW, in Großbritannien 8 von 8 KKW ebenfalls von der EDF (durch die 2008 aufgekaufte British Energy), in Schweden 4 von 4 KKW durch den Staatskonzern Vattenfall, in der Schweiz 1 von 4 KKW durch die staatliche Axpo Holding AG, in der BRD 2 von 8 KKW durch die staatliche EnBW, in Finnland 1 von 2 KKW durch die staatliche Fortum Group, Tschechien 2 von 2 KKW durch die CEZ, alle russischen KKW durch Rosenergoatom und alle ukrainischen KKW durch Energoatom, … . Diese kurze, unvollständige Aufzählung sollte genügen, um zu belegen, dass die meisten KKW in Europa in Staatshand sind. Soviel zur privatwirtschaftlichen Profit-Gier.

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