#76: Profitverlängerung

Behauptung: Von längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke profitieren nur die Konzerne.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Die deutschen Atomkraftwerke sind alle längst abgeschrieben. Damit lässt sich derzeit, zumal ohne Haftpflichtversicherung, ohne Brennstoffsteuer und mit weiterhin steuerfreien Rückstellungen, billig Strom erzeugen. Nur: Wir Verbraucher merken davon nichts.

Denn der Strompreis entsteht an der Strombörse und richtet sich nach dem Preis für die Spitzenlast. Die können Atomkraftwerke nie erzeugen, weil sie viel zu unflexibel sind. Die Folge: Profit mit dem Atomstrom aus ihren alten Kraftwerken machen einzig und allein die Stromkonzerne – je länger die Atomkraftwerke laufen, desto mehr. Von 2002 bis 2007 haben EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall ihren Gewinn verdreifacht.

Sind irgendwo die Strompreise gesunken?

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Immerhin wird hier zugegeben, dass Kernkraftwerke preiswert Strom produzieren. Was soll daran schlecht schlecht sein? Und was können Kernkraftwerke dafür, dass sie praktisch unkaputtbar sind und somit weit über ihre Abschreibungszeit hinaus tadellos funktionieren?

Jedes Kernkraftwerk ist mit 2,5 Mrd. Euro hoch versichert, bei Selbstverschulden haftet der Betreiber sogar unbegrenzt. Rückstellungen sind für jede Industrieanlage steuerfrei, die Kernkraftwerksbetreiber haben also keinen Vorteil. Auch eine deftige Brennstoffsteuer müssen sie nun zahlen, im Gegensatz zu den „Erneuerbaren Energien” und Kohlekraftwerken.

Kernkraftwerke können den Strom flexibler regeln als jede andere Kraftwerksform (siehe auch #95 zur Regelgeschwindigkeit von Kernkraftwerken), nur haben die Betreiber wenig Lust, ihre Anlagen deswegen zu verschleissen. Wind- und Sonnenkraftwerke können überhaupt nicht regeln, im Gegenteil, hier muss der Stromkunde „geregelt” werden. Oder die flexiblen Kernkraftwerke müssen die Lücken füllen, wenn Wind und Sonne mal nicht wollen.

Spitzenlasten treten nur selten auf, so dass Kernkraftwerksbetreiber von den dann hohen Strompreisen kaum profitieren. Lasten, die von den Kernkraftwerken nicht mehr gedeckt werden können, gibt es hingegen häufig. Dann richtet sich der Preis an der Strombörse nach dem nächst teureren Anbieter, meistens Kohlekraftwerke. Mit den Rohstoffpreisen sind zwischen 2002 und 2007 deshalb auch die Strompreise gestiegen. Die logische Konsequenz kann nur sein, auch diese Lasten durch Kernkraftwerke abzudecken, also die Kernenergie konsequent auszubauen – dann sinken auch die Strompreise. Die Franzosen machen es vor.

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2 Kommentare zu #76: Profitverlängerung

  1. quer sagt:

    „….Profit mit dem Atomstrom aus ihren alten Kraftwerken machen einzig und allein die Stromkonzerne – je länger die Atomkraftwerke laufen, desto mehr. Von 2002 bis 2007 haben EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall ihren Gewinn verdreifacht….“

    Ich korrigiere mal:

    Profit mit dem Strom aus Sonne und Windkraft machen einzig und alleine Besitzer von großen Dächern, Grundstücken und Windmühlen. Je länger diese laufen und je länger die Dächer halten, und je länger der Steuerzahler zahlt, desto mehr profitieren sie. Und sie lachen sich kaputt über die blöden Armen welche zur Kasse gebeten werden.

    Der Atomstrom muß nach den Gesetzen des Marktes verkauft werden. Alles andere unterliegt der Planwirtschaft. Und die hat seit jeher den Reichtum aller kleinen Leute befördert. Stimmt’s?

  2. Rudolf K. sagt:

    Hier ist noch etwas hinzuzufügen: Die Versorger wie EnBW und RWE befinden sich überwiegend in öffentlicher Hand. Damit kamen die Steuereinnahmen und Dividenden vor allem den Aktionären (bei EnBW z.B. den Landkreisen und dem Land) und den Standortkommunen zugute, solange es den Unternehmen gut ging. Inzwischen müssen die Eigner Kapital nachschießen, weil keine Rendite mehr abfällt. Die Leidtragenden sind – genau: Die Landkreise, die Kommunen und das Land…

    Und wie sieht das bei den „Erneuerbaren“ aus?

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