#51: Atommüll am Strand

Behauptung: Wiederaufarbeitungsanlagen sind radioaktive Dreckschleudern.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Die Wiederaufarbeitungsanlagen in La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) geben große Mengen radioaktiver Stoffe an die Luft, den Ärmelkanal und die Irische See ab. In der Umgebung der Anlagen ist die Blutkrebsrate (Leukämie) bei Jugendlichen bis zu zehn Mal so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Greenpeace nahm vor einigen Jahren am Abflussrohr von Sellafield ein paar Schlammproben. Bei der Rückkehr wurden diese von den deutschen Behörden umgehend beschlagnahmt – es handelte sich schließlich um Atommüll.

„Weiterführende Informationen” der EWS

Richtig ist …

Der alte und sehr medienwirksame Mythos der „Leukämie-Häufung” in der Umgebung kerntechnischer Anlagen wird trotz mehrfacher Widerlegung immer wieder aufgewärmt. Dabei werden mehrere Fakten ständig ignoriert. Zum einen können die Strahlenwerte, die gerade in der Umgebung solcher Anlagen besonders streng überwacht werden, unmöglich die Ursache sein, andernfalls hätte man schon allein durch Schwankungen der natürlichen Radioaktivität gigantische Auswirkungen mit sehr deutlichem Zusammenhang festgestellt. Desweiteren ist Leukämie bekannt, gehäuft aufzutreten. Gelegentlich tauchen derartige Häufungen, sogenannte „Cluster”, auch in der Nähe kerntechnischer Anlagen auf, aber eben nicht ungewöhnlich häufig. All diese Fakten hat insbesondere der 14. COMARE-Report von 2011 klargestellt.

Ansonsten sind die Emissionswerte von Sellafield, selbst die von Greenpeace gemessenen, bedeutungslos. Dies sieht man allein schon daran, dass die Greenpeace-Mitarbeiter, die direkt neben dem Abflussrohr gefischt haben, noch bei bester Gesundheit waren. Hätten sie an einem Fäkalienabfluss getaucht, könnte man daran zweifeln. Die Anlagen, früher militärischen Zwecken dienend, wurden und werden für die Zivilnutzung stark verbessert. Nach Angaben des Schweizer Paul-Scherrer-Instituts haben sich die damals ohnehin eher geringen Emissionen seitdem auf ein Hundertstel reduziert. Die dort zitierte OECD bescheinigt, wie die Messwerte auch zeigen, keine nennenswerte radiologische Mehrbelastung (siehe auch #50).

Die angebliche Beschlagnahme der Greenpeace-Schlammproben überrascht wenig – auch gewöhnliche Bananen haben schon den Strahlenalarm der empfindlichen Sensoren ausgelöst. Vermutlich wurde der Schlamm aber aus ganz anderen Gründen beschlagnahmt, über die hier nicht weiter spekuliert werden soll. Die Proben mit einer Intensität von grob 10 Kilobequerel pro Kilogramm, darunter kleine Mengen Aktinide, sind, selbst wenn man sie essen würde, radiobiologisch nicht gefährlich, überschreiten aber absurd niedrige deutsche Grenzwerte für die Freigabe. Deshalb ist dies aber kein „Atommüll“, sondern wird auf normalem Wege entsorgt, eventuell dekontaminiert.

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Ein Kommentar zu #51: Atommüll am Strand

  1. Johnny Doepp sagt:

    Also wenn der Schlamm wirklich SO radioaktiv war, war es grob fahrlässig von den Greenpeace-Leuten, in einfach so mit sich herumzuschleppen — von ihrer eigenen Gefährdung mal ganz abgesehen. Dann gehörten sie in den Knast. Anderenfalls, wenn sie diesen Abfall fachgerecht in einem Bleitresor herumgefahren haben – am besten noch mit einem Aufkleber „radioaktiv“ darauf – , würde ich als Behörde ebenfalls sofort einschreiten. Im schlimmsten Fall würde ich sogar Terrorismus vermuten, da radioaktive Stoffe Gefahrenstoffe sind (bei ausreichender und zu kennzeichnender Aktivtät) und damit den Gefahrguttransportvorschriften unterliegen. Aber so blöd können selbst die GPs nicht sein. Bleibt als Schluss, dass sie genausogut auch etwas Pechblende aus dem Thüringer Wald mit sich herumschleppen hätten können. Sowas fällt an Flughäfen auch sofort auf. Wirklich gesundheitsgefährdend ist das erst, wenn man sich damit Monate und Jahre direkt umgibt.

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