#11: Plutoniumfracht

Behauptung: Zur Produktion von Brennstäben rollen jedes Jahr viele Tonnen reines, waffenfähiges Plutonium über europäische Straßen.

Die EWS behaupten (Originalgrund)

Viele Atomkraftwerke setzen sogenannte MOX-Brennelemente ein, eine Mischung aus Uranoxid und Plutoniumoxid. Letzteres stammt meist aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente. Schon etwa sieben Kilogramm Plutonium genügen zum Bau einer Atombombe, eingeatmet reichen einige Mikrogramm aus, um sicher Krebs zu erzeugen.

Die MOX-Brennelementefabriken in Frankreich und Belgien werden jährlich mit mehreren Tonnen reinen Plutoniumoxids beliefert – per Lkw über die Autobahn.

Richtig ist …

Diese Aussage ist falsch. Das transportierte Plutonium ist nicht waffenfähig, denn es befindet sich in Brennelementen, die vorher jahrelang im Reaktorkern waren. Dadurch ist es isotopenverunreinigt und für die Herstellung nuklearer Waffen nicht mehr zu gebrauchen.

Die wenigen Tonnen Plutonium vergleiche man mit den Hunderten Millionen Tonnen hochgifitger und ätzender Chemikalien, die jedes Jahr allein über Deutschlands Straßen und Schienen rollen. Das Plutonium wird auch nicht in leicht-flüchtiger Form offen in gewöhnlichen Behältern transportiert, sondern befindet sich keramisch gebunden und dicht umschlossen in Brennstäben (frischer sogenannter MOX-Brennstoff), die wiederum hermetisch in sehr stabilen, dickwandigen Behältern (MX-6, MX-8) eingekapselt sind. Die Transporte selbst finden streng bewacht in Schwerlast-LKWs oder Eisenbahnzügen statt. Mit einem derartigen Aufwand werden oft giftigere und flüchtigere Chemikalien nicht transportiert. Oft wird irrtümlicherweise die Strahlung frischen MOX-Brennstoffs bzw. des Plutoniumoxids mit der stärkeren Intensität von abgebrannten Brennelementen mit weniger stark gebundenen radioaktiven Spaltprodukten verglichen.

Es ist undenkbar, wie hier selbst Mikrogramm-Mengen nach außen gelangen könnten. Selbst wenn der Behälter beschädigt würde, wozu man schon panzerbrechende Waffen bräuchte, und zusätzlich die Brennstäbe undicht wären, und alles in Brand geriete, selbst dann verbliebe die Plutonium-Keramik immer noch in fester Form.

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5 Kommentare zu #11: Plutoniumfracht

  1. Segelboot sagt:

    Kann es sein, dass hier eine Verwechslung vorliegt? Ihr erster Absatz ist ok, der erste Teil des Zweiten auch. Wie sie auf Castoren kommen ist mir allerdings schleierhaft, es geht um den Pu-Transport (genauer von PuO2) von den WAA zu den BE-Fabriken. Oder steh‘ ich auf dem Schlauch?

  2. Kritikalität sagt:

    Sie haben Recht, in Castoren werden nur bestrahlte Brennelemente bzw. hochaktive Stoffe transportiert. Frischer MOX-Brennstoff, der sehr viel weniger aktiv ist, hingegen wird in MX-6 bzw. MX-8-Behältern transportiert. Diese sind deutlich leichter und weniger stabil, haben aber immer noch eine dicke Stahlhülle, die die Brennelemente gegen viele Einwirkungen schützt. Dies wird demnächst korrigiert.

  3. Die Lösung ist der neue geniale, innovative und billige Dual-Fluid-Reaktor. Die Kosten sind im Vergleich zur verordneten
    „erneuerbaren Eneriewende“ vernachlässigbare Grössen. Der Kosten-Nutzen-Effekt der „erneuerbaren Energiewende“
    ist absolut negativ, des DFR absolut positiv. Bitte nachschauen (www.dual-fluid-reaktor.de).

  4. Johnny Doepp sagt:

    Wenn das Plutonium chemische oder Radiotoxizität aufweist, unterliegen entsprechende Transporte den Transportbestimmungen für Gefahrengüter. Verstöße werden dagegen werden hart geahndet. Liegen anzunehmende Gefährdungen für solche Transporte vor – und damit sind nicht die üblichen der geforderten Transportsicherheit gemeint – wie z.B. zuletzt in Gorleben, als sich viele Aktivisten dem Castor-Transport in den Weg stellten, werden auch die ausführenden Organe des Staates aktiv – wie wir gesehen haben, und worüber sich die Kernkraftgegner nach Herzen aufgeregt haben.

    Ansonsten denke ich ferner, dass selbst wenn man genügend Plutonium beisammen hat – also Kritikalität erreicht – der Bau einer Kernwaffe eher ausserhalb der Möglichkeiten der meisten Menschen (rein bildungs- und verständnismäßig) ist; insbesondere wenn nicht die richtigen Labormöglichkeiten vorhanden sind. Etwaige dennoch geführte Versuche würden vermutlich direkt in der Vergiftung und dem Tod der Terroristen enden. Bliebe noch die Möglichkeit mit „schmutzigen Bomben“ zu arbeiten. Auch hier denke ich, dass selbst Mediziner mit ihren Kunstfehlern und schlechten (oder zu guten – wie man das auch sehen mag) Ausrüstungen des Gesundheitssystems effizienter sind im Leute schädigen und umbringen alle Terroristen, die es mit radioaktivem Material versuchen. Biochemische Waffen sind vermutlich um Längen schwieriger zu bekämpfen, aber leichter zugänglich in unserer Welt.

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